Still und leise, ohne ein militärisches Zeremoniell, hat die Bundeswehr Ende 2004 den Mobilmachungsstützpunkt Breithülen ausgemustert. Von 1961 an lagerten auf dem 13 Hektar großen Areal verschiedene Geräteeinheiten ihr Material und ihre Fahrzeuge. Auf dem Gelände fanden zahlreiche Übungen statt. Zwischen 1898 und 1945 war in den Gebäuden ein Remontedepot untergebracht.

Postkarte des Remontedepots Breithülen um 1910.Es hatte die Aufgabe,  junge Pferde auszubilden, die das Königlich Württembergische XIII. Armeekorps benötigt. Im Juni 1898 trafen die ersten Tiere ein.

Das Depot bescherte den Landwirten in der Region ein gutes Zubrot, da sie Unmengen an Futter liefern mussten. Jedes Pferd hat im Schnitt sieben Pfund Hafer und 16 Pfund Heu am Tag verschlugen, ist in alten Aufzeichnungen von Depotleiter Major von Pentz nachzulesen.

1915: Ein Blick vom Verwaltungsgebäude aus auf die Koppeln.

Nach dem Ersten Weltkrieg lösten die Militärs das Depot auf, da die Reichswehr nicht mehr genügend Pferde hatte. Die Stadtverwaltung Stuttgart pachtete die Stallungen und gründet ein landwirtschaftliches Mustergut.

1929: Kinder erholen sich im ehemaligen Remontedepot.Der evangelische Jugendverein Stuttgart eröffnete 1925 in den leerstehenden Gebäuden ein Jugenderholungsheim mit 75 Betten. Fünf Jahre später berichtete die Heimatzeitung „Alb Bote“, dass bislang 1.680 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland auf der Alb waren. Der Ennabeurer Pfarrer Josef Kulmus mietete Anfang der 1930er-Jahre die ehemalige Kommandantenvilla und gründete den Verein „Heim Breithülen“, der Jugendlichen preiswerte Ferien ermöglichte.

Von 1935 an herrschte wieder militärisches Leben auf dem Gelände. Das Oberkommando des Heeres reaktivierte das Remontedepot, das Major Harry von Müller leitete. Zeitweise mussten er und 24 Mitarbeiter bis zu 400 Pferde pro Jahr ausbilden.

Remonteprüfung Anfang der 40er-Jahre. Am 1. Oktober 1942 wurde der gemeindefreie „Heeresgutsbezirk Münsingen“ gegründet, an den auch Breithülen angeschlossen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte das Hofgut zur Gemeinde Ennabeuren.


Ein paar Wochen später mussten alle Remontewärter an die Front. Ihre Arbeit erledigten nun  verwundete Soldaten. Danach kamen immer weniger Pferde, dafür mehr Soldaten nach Breithülen, da sie im Neuen Lager, im Alten Lager sowie in den Lagern Gänsewag und Feldstetten keinen Platz mehr fanden. Mit dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 endete die Geschichte des Remonteamtes. Amtsleiter von Müller steckten die Alliierten in ein Kriegsgefangenenlager.

Zwischen 1946 und 1960 standen wieder zahlreiche Tiere in den Stallungen. In erster Linie Schweine und Kühe, die zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehörten.

1961 übernahm die Bundeswehr das Anwesen, die daraus einen Mobilmachungsstützpunkt für nicht aktive Verbände aus dem Bereich des Wehrbereichskommandos V und des II. Korps machte.

Mobilmachungsübung 1972.

In den folgenden Jahren waren dort unter anderem Geräteeinheiten von Krankenkraftwagen-Kompanien, Feldlazarettregimentern und Sicherungskompanien untergebracht. Um mehr Platz zu haben, wurden Mitte der 1960er-Jahre auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Landesstraße 230 elf große Blechhallen mit ausreichend Stauraum für Panzer und olivgrüne Krankenwagen gebaut.

Im Schnitt waren zu dieser Zeit jeweils vier Kompaniefeldwebel und 20 Zivilbedienstete in Breithülen beschäftigt. Anfang 1997 löste die Bundeswehr den Mobilmachungsstützpunkt auf.

Die letzte Übung in Breithülen findet 2004 statt.Danach schauten immer wieder Soldaten vorbei, die im ehemaligen Remontedepot übten. Unter anderem erhielten SFOR- und KFOR-Soldaten dort ihren letzten Schliff, bevor sie in den Auslandeinsatz gingen.

Ende 2004 herrschte zum letzten Mal militärisches Leben in Breithülen. Die Soldaten des Stuttgarter Heimatschutzbataillons 511 waren im Rahmen einer Übung dort untergebracht.

Danach wurden die ehemaligen Stallungen und Gebäude ausgeräumt , um sie im April 2005 besenrein an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abzugeben. Seit Anfang 2012 gehört das Areal der Schuhfabrik Vitaform, die dort ihre Produktionshallen hat.

 

Der ehemalige Krankenstall des Remoteamtes.