Lager Feldstetten 1916.

Die Planungen für das vierte und letzte Lager des Münsinger Truppenübungsplatzes beginnen im Spätherbst 1915. Die Verantwortlichen entscheiden sich für Feldstetten. Kein Wunder. Die Gemeinde verlangt keinen Pfennig für das Bauland, das in unmittelbarer Nähe des Schießplatzes liegt. Schultheiß Johannes Ruß reibt sich die Hände. Er geht fest davon aus, dass Feldstetten durch das Militär einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt.

Ruß und Gemeinderat überschreiben am 7. Februar 1916 das rund 13 Hektar große Gelände der Württembergischen Militärverwaltung. Das Areal liegt an der Straßengabelung zwischen dem Vizinalweg Nummer 1 nach Laichingen und der Straße nach Suppingen.

Noch im selben Jahr baut das Königlich Württembergische Kriegsministerium ein Lager mit 35 Holzbaracken für seine Soldaten. Das Neue und Alte Lager sowie das Lager Gänsewag in Münsingen, die ebenfalls zum Truppenübungsplatz gehören, sind bereits von verschiedenen Verbänden belegt.

Soldaten bei der Ausbildung 1918.Zwei Jahre später ist der Erste Weltkrieg zu Ende. Die Unterkünfte in Feldstetten dienen von Mitte 1919 an zeitweise als Erholungsheim für Kinder und Beamte.

Anfang 1933 übernimmt die Wehrmacht das Gelände und bildet ihre Soldaten aus. 1944 ziehen Teile der 4. Italienischen Gebirgsdivision „Monte Rosa“ und wenig später Teile der russischen Wlassow-Division unter. Zwei Verbände, die mit den Deutschen sympathisieren.

Lager Feldstetten 1940.Nach dem II.  Weltkrieg nehmen die Bürger aus der Umgebung die Baracken auseinander und lassen alles mitgehen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ende 1946 stehen dort nur noch die alten Fundamente. Jahre später quartieren sich auf dem Gelände einige Firmen aus der Umgebung ein.

Anfang der 1970er-Jahre fasst das Verteidigungsministerium in Bonn den Entschluss, in Feldstetten ein neues Gerätedepot mit 8.500 Quadratmeter Lagerfläche zu bauen. Dort gibt es vom Kochlöffel bis zum Motor des Kampfpanzers Leopard fast alle Nachschubartikel der Bundeswehr.

Während dieser Zeit finden zahlreiche Mobilmachungsübungen des Depotwach- und Sicherungszuges statt. Und bei den Heeresübungen „Flinker Igel“ 1984 und „Landesverteidigung 88“ richten die Militärs eine Feldpoststelle im Depot ein.

Gerätedepot Feldstetten 1989.

Das Jahr 1994 bringt für die Depotler einscheidende Veränderungen mit sich. Mit drei neuen Außenstellen stieg die Dienststelle zu einem Gerätehauptdepot auf.

„Unsere Dienststelle wird Ende 2007 geschlossen“, teilt Kommandant Oberstleutnant Wolfgang Apel am 27. November 2003 völlig überraschend seinen Soldaten und Zivilbediensteten mit. Kurz davor hatte er die Nachricht aus dem Verteidigungsministerium erhalten.

Zivilbedienstete bei der Arbeit.Und dabei hatte die Hardthöhe in Bonn ein paar Jahre zuvor noch Großes mit dem Feldstetter Lager vor. Es sollte zu einem von fünf modernen Logistikzentren des Heeres ausgebaut werden. Ein entsprechendes Baugesuch für ein neues Hochregallager war  bereits vom Laichinger Gemeinderat mehrheitlich abgesegnet worden.

Soldaten beim Verladen von Reifen.Bis Ende 2006 lagern im Depot etwa 28.000 verschiedene Artikel mit einem Gesamtwert von 220 Millionen Euro. In den drei Außenstellen Amstetten, Langlau und München, die ebenfalls geschlossen werden, sind neben Betriebs- und Betriebshilfsstoffen  noch anderes Bundeswehrmaterial im Wert von 30 Millionen Euro untergebracht.

Wappen des Gerätehauptdepots. Inzwischen gehört auch diese letzte militärische Liegenschaft auf der Schwäbischen Alb der Geschichte an. Am 21. Dezember 2007 wird dort zum letzten Mal die Bundesdienstflagge von den verbliebenen Soldaten niedergeholt. Die Firmengruppe Binder, die  mit ihren Produkten die Automobilindustrie in ganz Europa beliefert, hat das rund 13 Hektar Gelände mit den Hallen aufgekauft.

 

Letzter Appell am 21. Dezember 2007.