Milit├Ąr in M├╝nsingen, Breith├╝len und Feldstetten

Von Friedrich Jeschonnek

Hardth├Âhen-Kurier

Viele “├älbler” k├Ânnen es noch nicht fassen: Nach mehr als 110 Jahren zog sich das Milit├Ąr von der M├╝nsinger Alb zur├╝ck. Dies nimmt der Autor zum Anlass, die Geschichte von “Schw├Ąbisch Sibirien”, wie der ├ťbungsplatz aufgrund dortiger Wetterbedingungen von den Soldaten seit 1895 genannt wird, mit einem Bildband zu w├╝rdigen.

Dabei wird auf Organisation, Infrastruktur und Nutzung des M├╝nsinger  Truppen├╝bungsplatzes im Laufe der Zeit ebenso eingegangen, wie auf das Remontedepot Breith├╝len, die Herzog-Albrecht-Kaserne, das Ger├Ątehauptdepot Feldstetten, die Standortverwaltung M├╝nsingen sowie auf die Zukunft und Konversion des Truppen├╝bungsplatzes.

Mit einem gro├čformatigen Bildband ist es dem Autor Joachim Lenk vorz├╝glich gelungen, die Geschichte eines der bekanntesten Truppen├╝bungspl├Ątze in Deutschland illustriert darzustellen. F├╝r alle empfehlenswert, die sich an die Zeit in M├╝nsingen erinnern m├Âchten.

Vom Kaiserreich bis zum Biosph├Ąrengebiet

Von Anneliese Lieb

N├╝rtinger Zeitung

Jahrzehntelang haben Soldaten das Bild in M├╝nsingen und bei milit├Ąrischen ├ťbungen in den umliegenden Albgemeinden gepr├Ągt. Der Truppen├╝bungsplatz war Sperrgebiet. Wer es wagte, im Randbereich mit dem Rad einen Waldweg zu befahren, dem drohte ein Bu├čgeld – wenn er erwischt wurde.

Alles Vergangenheit. Heute bildet der ÔÇ×Schie├čplatz“ die Kernzone des Biosph├Ąrengebietes, zu dem auch Teile des Landkreises Esslingen geh├Âren. Mit seinem Buch ÔÇ×Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien“ hat Joachim Lenk daf├╝r gesorgt, dass der M├╝nsinger Truppen├╝bungsplatz und seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten.

Was sich vor drei Jahrzehnten noch niemand vorstellen konnte, ist seit Ostern 2006 Realit├Ąt: Der ehemalige Truppen├╝bungsplatz wurde f├╝r die Bev├Âlkerung ge├Âffnet. 45 Kilometer Wander- und Radwege k├Ânnen begangen und befahren werden. Wie gro├č das Interesse an dieser ehemaligen milit├Ąrischen Einrichtung ist, zeigt die gro├če Nachfrage nach unseren beiden Leserfahrten, die wir jetzt in den Sommerferien angeboten haben.

Und seit wann gab es diesen Truppen├╝bungsplatz? Joachim Lenk, Buchautor und selbst als Soldat mehrfach im Einsatz auf dem Truppen├╝bungsplatz M├╝nsingen, gibt die Antwort. Er hat die Geschichte des Platzes von 1895 bis heute aufgezeichnet und jetzt in der zweiten und erweiterten Auflage herausgegeben.

Am 3. August unterzeichnete K├Ânig Wilhelm II. von W├╝rttemberg die Erm├Ąchtigung zur Zwangsenteignung von Grundst├╝cken auf dem M├╝nsinger Hardt. Knapp f├╝nf Millionen Reichsmark investierte der Reichstag in den Kauf des damals 3700 Hektar gro├čen Gel├Ąndes. Die Gemeinden Zainingen, Feldstetten, Ennabeuren, Ingstetten, Magolsheim, B├Âttingen und Auingen mussten zwischen 17 und 830 Hektar Gemarkungsfl├Ąche f├╝r den Gefechtsschie├čplatz abtreten.

1896 wurde mit dem Bau des Alten Lagers begonnen. Im Schnitt ├╝bten schon vor dem Ersten Weltkrieg rund 40.000 Soldaten pro Jahr auf dem Platz. 1915 wurde das Neue Lager in M├╝nsingen an der Abzweigung Auingen-Heutal gebaut, das 2005 abgebrochen und f├╝r Wohnbebauung erschlossen wurde.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab es erste Pl├Ąne, den Schie├čplatz zu vergr├Â├čern. Im Februar 1937 kam der Befehl, dass das damals 650 Einwohner z├Ąhlende Dorf Gruorn zu r├Ąumen sei. Die Bev├Âlkerung wehrte sich zwar dagegen, war aber letztlich erfolglos. 6700 Hektar umfasste danach das Gel├Ąnde. Die Landesstra├če zwischen Traiflingen und Zainingen wurde f├╝r den ├Âffentlichen Verkehr gesperrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ├╝bernahmen die Amerikaner und sp├Ąter dann die Franzosen den Truppen├╝bungsplatz. 1955 schreckte eine Meldung die Bewohner in den umliegenden Gemeinden auf: Es hie├č, der Truppen├╝bungsplatz solle um das Doppelte vergr├Â├čert werden. Dieser Plan wurde gl├╝cklicherweise nicht in die Tat umgesetzt.

Die Panzerbrigade 30 war im September 1959 der erste deutsche Truppenverband, der auf dem unter franz├Âsischer Verwaltung stehenden Platz ├╝ben durfte. Anfang der 80er-Jahre wurde mit dem Bau der Panzerringstra├če begonnen. 1989 feierten die Milit├Ąrs die ├ťbergabe des letzten Teilabschnitts der insgesamt 38 Kilometer langen Ringstra├če, die rund 36 Millionen Mark gekostet hat.

Die Panzerringstra├če war gerade fertig, da kam es zur Wiedervereinigung Deutschlands und die Zeiten des Kalten Krieges geh├Ârten der Vergangenheit an. Dass damit auch das Ende des M├╝nsinger Truppen├╝bungsplatzes und der Garnisonstadt M├╝nsingen eingel├Ąutet werden w├╝rde, wollte damals noch niemand glauben.

Am 31. Juli 1992 holten die Soldaten die Trikolore zum letzten Mal ein. Die Franzosen verlie├čen M├╝nsingen und die Bundeswehr ├╝bernahm das Kommando. 43 Millionen Mark genehmigte in der Folgezeit das Verteidigungsministerium f├╝r die Erneuerung und Sanierung des Alten Lagers. Ende der 90er-Jahre geh├Ârte der Truppen├╝bungsplatz M├╝nsingen zu den modernsten in Europa.

2001 teilte das Verteidigungsministerium mit, dass 2004 die Herzog- Albrecht-Kaserne und die Standortverwaltung in M├╝nsingen geschlossen werden. Zwei Jahre sp├Ąter, an Ostern 2006, wurde der ehemalige ├ťbungsplatz f├╝r die Bev├Âlkerung ge├Âffnet und in der Folgezeit das Biosph├Ąrengebiet entwickelt.

Joachim Lenk, geb├╝rtig aus Blaubeuren auf der Alb, hat die Geschichte des Platzes akribisch aufgearbeitet. Er skizziert das Soldatenleben, gibt Einblicke ins G├Ąstebuch, schreibt ├╝ber Kommandeure, Einheiten und Verb├Ąnde, Kommandanten, Depot- und Amtsleiter in M├╝nsingen, Breith├╝len und Feldstetten, das Remontedepot und andere Einrichtungen mehr. Reich bebildert ist das Buch nicht nur ein interessantes Nachschlagewerk ├╝ber die Geschichte des M├╝nsinger Truppen├╝bungsplatzes. 

 

N├Ąchtlicher Krieg in Schw├Ąbisch Sibirien

Von Marcel Moser

S├╝dwest Presse

110 Jahre lang geh├Ârte das Milit├Ąr zum M├╝nsinger Alltag. 2005 wurde der Truppen├╝bungsplatz geschlossen. Joachim Lenk beschreibt dessen Geschichte.

 "In der Nacht h├Ârt der Krieg nicht auf", hatte Lieutenant-Colonel Jean Woirgard 1982 zu den M├╝nsingern gesagt, als diese sich ├╝ber l├Ąrmende n├Ąchtliche Schie├č├╝bungen beschwerten. Mehr als 110 Jahre lang geh├Ârte das Milit├Ąr fest zur Region, hatte ├ärger beschert und war dennoch Teil des Alltags geworden. Was von 1895 bis 2005 im wohl k├Ąltesten Milit├Ąrst├╝tzpunkt der Alb alles passiert ist, erz├Ąhlt der Journalist Joachim Lenk in seinem neuen Nachschlagewerk "Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien".

W├╝rttembergs letzter K├Ânig Wilhelm II. hat den Truppen├╝bungsplatz 1895 gegr├╝ndet. Insgesamt drei Fl├Ąchen hatten zur Auswahl gestanden, eine weitere bei Nellingen und eine bei B├Âhmenkirch. Dass die Wahl auf M├╝nsingen fiel, lag daran, dass auf dem vorgesehenen Areal nur vier H├Âfe angesiedelt waren, w├Ąhrend f├╝r die beiden anderen Standorte ganze D├Ârfer h├Ątten ger├Ąumt werden m├╝ssen.

Der neue Truppenübungsplatz bescherte Münsingen wirtschaftlichen Aufschwung und eine verbesserte Verkehrsanbindung in Form eines Bahnanschlusses. Und er brachte Abwechslung ins eher beschauliche Leben der Älbler, die 1908 erste Versuche der Luftfahrt verfolgen konnten, als Berliner Luftschiffer mit Fesselballons landeten.

Den Ersten Weltkrieg erlebten der Platz und das Lager relativ unbeschadet. Zwar waren dort franz├Âsische und russische Soldaten gefangen, aber das Lager war nicht unmittelbar in den Krieg involviert. Ende des Zweiten Weltkriegs hingegen kam es zu heftigen Gefechten. Noch im April 1945, kurz vor Kriegsende, befahl die Milit├Ąrf├╝hrung, die Albregion zu halten. Die Bewohner von Gruorn hatten die H├Ąuser bereits 1937 r├Ąumen m├╝ssen, als die Reichsregierung den Ort f├╝r Unterk├╝nfte und Schie├č├╝bungen nutzen lie├č.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ├╝bernahmen die Franzosen den Truppen├╝bungsplatz. Von 1957 an teilen sie sich den St├╝tzpunkt mit der neu gegr├╝ndeten Bundeswehr.

Als Deutschland mit dem Ende des Kalten Krieg Deutschland seine Truppen reduzierte, ging schlie├člich auch die Zeit des Milit├Ąrlagers in M├╝nsingen zu Ende. 2005 wurde an seiner Stelle das Biosph├Ąrengebiet Schw├Ąbische Alb eingerichtet und f├╝r Wanderer ge├Âffnet.

Joachim Lenks 160 Seiten starkes Werk zeigt durch gute Recherche, wie sehr auch ein Milit├Ąrposten auf der Alb in die Geschichte eingewoben sein kann, auch wenn gesamt-geschichtliche Zusammenh├Ąnge etwas kurz kommen.

Der Autor legt den Fokus eben auf das Lokale. ├ťber 500 Originalaufnahmen aus M├╝nsingen, Breith├╝len, Feldstetten und Gruorn bereichern das Buch. Vor allem M├╝nsinger d├╝rften ihre Freude daran haben. Zwar k├Ânnen sie jetzt besser schlafen, aber vielleicht fehlt ihnen das Lager trotzdem ein wenig.
 

Neues Buch ├╝ber die M├╝nsinger Milit├Ąrgeschichte

Von Wolfgang Alber

Schw├Ąbisches Tagblatt

Joachim Lenk besch├Ąftigt sich seit l├Ąngerem mit der Geschichte des Milit├Ąrs auf der Alb. Er ver├Âffentlichte die B├Ąnde “Von der Schneeschuhkompanie zum Panzerbataillon, M├╝nsinger Soldatenleben von 1915 bis 2004”, “Soldaten, Sprengk├Âpfe und scharfe Munition, Milit├Ąr in Engstingen von 1939 bis 1993” sowie “Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien”, 1895 bis 2007”. Letzerer ist nun in zweiter, erweiterter und aktualisierter Auflage erschienen.

Das Buch wurde k├╝rzlich von Landwirtschaftsminister Peter Hauk vorgestellt. Er lobte, dass das Milit├Ąr auch den “Naturhaushalt”  positiv beeinflusst habe. Die Bundeswehr ist abgezogen, der Truppen├╝bungsplatz M├╝nsingen ist jetzt Naturschutzgebiet, Teil des neuen Biosph├Ąrengebietes.

Das erw├Ąhnt Lenk, aber es geht ihm um die Soldaten: Im Kaiserreich nahm hier die Seeckt-Aff├Ąre ihren Ausgang, Hitler, G├Âring und Mussolini inspizierten Truppen: die Wlassow-Armee marschierte von der Alb ins Verderben, auch die Nachkriegsgeschichte ist nicht frei von Rohrkrepierern. Das alles listet Lenk auf bis hin zu prominenten Rekruten wie dem heutigen Bundespr├Ąsidenten Horst K├Âhler.

Ein friedliches Kapitel zum guten Schluss

Von Gudrun Grossmann

S├╝dwest Presse

F├╝r halbe Sachen ist der Journalist Joachim Lenk nicht zu haben. So gesehen war die aktualisierte und erweiterte Auflage seines Buches "Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien" nur eine Frage der Zeit.

Er hat sich dem Soldatenleben in der M├╝nsinger Herzog-Albrecht- Kaserne angenommen und ist den Spuren der Wehr in Engstingen gefolgt, inklusive der bewegten Zeit, als die Friedensaktivisten am Zaun gegen das Atomwaffenlager "Golf" protestierten. In beiden B├╝chern, "Von der Schneeschuhkompanie zum Panzerbataillon" und "Soldaten, Sprengk├Âpfe und scharfe Munition" konnte Joachim Lenk einen Schlussstrich unter ein St├╝ck Milit├Ąrgeschichte ziehen.

Nicht m├Âglich war dies bei seinem zweiten Werk, das im Juli 2005 erschienen ist. Der "Letzte Appell in Schw├Ąbisch Sibirien" lie├č offen, was nach dem gro├čen Donner und dem Aufr├Ąumen in M├╝nsingen, Breith├╝len und Feldstetten geschieht. Die rasante Entwicklung auf dem ehemaligen Truppen├╝bungsplatz, der zum einen beliebtes Ausflugsziel und Mittelpunkt des k├╝nftigen Biosph├Ąrengebiets, das sich ├╝ber drei Landkreise erstreckt, geworden ist und die Umwandlung des Kasernengel├Ąndes in eine gr├╝ne Parksiedlung, lieferten gen├╝gend Stoff f├╝r eine Fortsetzung. Zudem war die erste Auflage nach zwei Jahren ausverkauft.
 
Wie es sein Stil ist, recherchierte Lenk gr├╝ndlich und mit einem Sp├╝rsinn f├╝r Fakten und Besonderheiten. 30 Seiten sind hinzugekommen, mehr als 100 neue Bilder. Er ist auf noch nie ver├Âffentlichte historische Aufnahmen gesto├čen (G├Âring besichtigt zu Pferde den ├ťbungsplatz, Ansicht des Barackenlagers in Auingen) und zeigt, wie ein Ort, an dem fr├╝her graue Kasernenblocks standen, sich in ein freundliches Wohngebiet mit Einfamilienh├Ąusern verwandelt, eine Aufnahme ├╝brigens, die erst im Februar entstanden ist. ├ťber "Schw├Ąbisch Sibirien", wie die Soldaten die Region seit 1895 nannten, w├Ąchst inzwischen das Gras gepflegter Vorg├Ąrten. 110 Jahre M├╝nsinger Milit├Ąrgeschichte sind damit endg├╝ltig pass├ę.
 
Joachim Lenk hat noch einmal zur├╝ckgebl├Ąttert und erinnert an die Anf├Ąnge im Kaiserreich. Was geschah auf dem ├ťbungsplatz und in dem Dorf Gruorn, das die Bewohner r├Ąumen mussten, was in den vier Lagern in M├╝nsingen und Feldstetten? Welche Stellung hatten das Remonteamt in Breith├╝len und die daraus entstandenen Einrichtungen wie die Herzog-Albrecht-Kaserne, der Mobilmachungsst├╝tzpunkt und das Ger├Ątehauptdepot?

Der Journalist und Reserveoffizier beschr├Ąnkt sich nicht auf den rein milit├Ąrischen Aspekt, sondern bringt immer wieder die wirtschaftliche Entwicklung zur Sprache, betont, wie eng sie mit dem Milit├Ąr verkn├╝pft ist. Nur vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass manche den Abzug der Truppen und den damit verbundenen Verlust ziviler Arbeitspl├Ątze mit einem Exodus gleichsetzten.
 
Das Gegenteil war der Fall. Das Ende des Truppen├╝bungsplatzes war die Geburtsstunde des Biosph├Ąrengebiets, der Anfang einer friedlichen Nutzung, von der eine ganze Region profitiert. Wo fr├╝her Panzer kurvten, drehen heute Radfahrer und Inlineskater ihre Runden, staunen Wanderer ├╝ber die Weite der Landschaft. Naturpark statt Sperrbezirk, Freizeit statt Soldatendrill - es ist ein neues, buntes und lebendiges Kapitel, das dem "letzten Appell in Schw├Ąbisch Sibirien”.
Schw├Ąbisch Sibirien" folgt
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Von der Milit├Ąr- zur Kulturlandschaft

Von Ruth Walter

Reutlinger Generalanzeiger

Knapp drei Jahre nach der ersten Ver├Âffentlichung seines Buches ┬╗Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien┬ź legt der Journalist und Reserveoffizier Joachim Lenk aus Blaubeuren eine ├╝berarbeitete und erweiterte Neuauflage vor. Rund 30 Seiten sind dazugekommen und 100 Fotos. 

Manche der Fotos des ersten Bandes sind f├╝r die neu hinzugekommenen kleiner geworden. In den drei Jahren seit der Erstver├Âffentlichung im M├╝nsinger Wiedemann-Verlag hat sich viel getan auf und um den ehemaligen Truppen├╝bungsplatz, der mit seinen rund 6.700 Hektar die Keimzelle bildet f├╝r das entstandene Biosph├Ąrengebiet Schw├Ąbische Alb - das Erste in Baden-W├╝rttemberg.

Den Ver├Ąnderungen tr├Ągt die Neuauflage Rechnung. 85 000 Hektar ist das Reservat nun gro├č, gebildet aus 29 St├Ądten und Gemeinden und ihren Fl├Ąchen. Die Unesco-Anerkennung ist beantragt.

Im Vorwort nennt Lenk eine Motivation f├╝r sein Buch: ┬╗Es erinnert heute, von ein paar Gedenktafeln abgesehen, nichts mehr daran, dass 112 Jahre lang Soldaten das Bild in der Region gepr├Ągt haben.┬ź

Seit dem ersten Buch hat die Zivilbev├Âlkerung die riesige Hochfl├Ąche auf der Alb entdeckt: 13 Wanderwege mit 45 Kilometern L├Ąnge locken zur Erkundung. Von der ersten Wanderung ├╝berhaupt, an der mehr als 300 Albvereinler teilnahmen, ist ein Foto ins Buch aufgenommen. Wie die Kulturlandschaft sich entwickelt hat, wie sie seitdem zivil genutzt wird, darum hat Joachim Lenk sein Werk erg├Ąnzt.

Ganz aktuell ist das Foto der Parksiedlung in Auingen, wo Neubauten zum Wohnen die Kasernen ersetzt haben. Auch die Kapitel Altes Lager, Remontedepot Breith├╝len und Ger├Ątehauptdepot Feldstetten sind vervollst├Ąndigt worden.

Erst vorigen Dezember wurde zum letzten Mal die Bundesdienstflagge eingezogen. Die Abwicklung des Milit├Ąrischen neben dem Entstehen neuer Nutzung beschreibt Joachim Lenk in seinem jetzt 160 Seiten starken ┬╗Geschichtsbuch┬ź.

 

Abgesang und neue Zeiten

Von Christina H├Âlz

S├╝dwest Presse

Die Soldaten sind fort, jetzt kommen die Spazierg├Ąnger. Sie wandern in der Natur des Biosph├Ąrengebietes - aber auch in der Geschichte des Truppen├╝bungsplatzes. Joachim Lenk hat ein Buch zur Tour verfasst.

Schw├Ąbisch Sibirien. Diesen Namen trug M├╝nsingen in Soldatenkreisen seit Ende des 19. Jahrhunderts. Kein Schimpfwort wars, aber wohl ein Synonym f├╝r die Strapazen junger Rekruten in den frostigen Wintern auf der Mittleren Alb. Mancher war froh, wenn ihm der Dienst in der Herzog-Albrecht-Kaserne erspart blieb.

Beispielsweise Peter Hauk seines Zeichens Minister f├╝r Ern├Ąhrung und L├Ąndlichen Raum: Er sei nicht ungl├╝cklich gewesen, dass er sich w├Ąhrend seiner Zeit als Panzergrenadier nicht dem "k├╝hlen Charme" der M├╝nsinger Alb habe ausliefern m├╝ssen, bekennt der Landespolitiker. Daf├╝r r├╝hrte Hauk in Stuttgart f├╝r ein Buch die Werbetrommel, das die Geschichte eben jenes Truppen├╝bungsplatzes in M├╝nsingen erz├Ąhlt. Und zwar von der Gr├╝ndung des milit├Ąrischen Gel├Ąndes im Jahr 1895, ├╝ber die Schlie├čung 2005, bis heute, wo der ehemalige Schie├čplatz als Herz des neu gegr├╝ndeten Biosph├Ąrengebietes gilt: "Letzter Appell in Schw├Ąbisch Sibirien" hei├čt das Werk, das der Journalist und Reserveoffizier Joachim Lenk und sein Verleger Wolfgang Wiedemann jetzt in der zweiten und erweiterten Auflage herausgeben.
 
Bereits im Jahr 2005 hatten die beiden M├╝nsinger das Buch erstmals aufgelegt, damals allerdings ohne das j├╝ngste, das nicht milit├Ąrische Kapitel in Sachen Truppen├╝bungsplatz M├╝nsingen. Jetzt schildert der Autor zudem, was sich seit dem gro├čen Zapfenstreich vor zwei Jahren in M├╝nsingen, Breith├╝len und Feldstetten getan hat. Wie das Biosph├Ąrengebiet auf den Weg gebracht wurde, wie sich der ehemalige ├ťbungsplatz ├Âffnete f├╝r Radfahrer, Wanderer und Spazierg├Ąnger. Wie schlie├člich auf dem ehemaligen Kasernengel├Ąnde die M├╝nsinger Parksiedlung mit h├╝bscher Einfamilienhaus-Idylle gewachsen ist - all das dokumentiert Joachim Lenk mit vielen Fakten und mehr als 500 Fotos (die j├╝ngsten Bilder sind nur wenige Wochen alt).
 
110 Jahre Milit├Ąr in M├╝nsingen und die weitere Entwicklung des ehemaligen Truppen├╝bungsplatzes: Diese Geschichte habe Joachim Lenk "akribisch aufgearbeitet" - immer den Bezug des ├ťbungsplatzes zu seinem Umfeld im Blick, sagte Peter Hauk bei der Vorstellung des Buches im Offizierskasino des Landeskommandos Baden-W├╝rttemberg in Bad Cannstatt.

Die Historie des M├╝nsinger Schie├čplatzes - vom aufstrebenden Kaiserreich, ├╝ber die Nazi-Herrschaft mit der R├Ąumung Gruorns, bis zum Fall des eisernen Vorhangs - sei nicht nur eine Geschichte der Region, sondern auch eine Geschichte Deutschlands, so der Politiker. Und klar, dass sich der Landwirtschaftsminister, als einer der Wegbereiter des Biosph├Ąrengebietes, besonders ├╝ber das j├╝ngste, friedliche Kapitel im Buch von Joachim Lenk freut: "Mag es fr├╝her f├╝r viele Soldaten ein Grauen gewesen sein, im Winter auf der M├╝nsinger Alb zu dienen, so ist es heute ein Genuss f├╝r die Besucher die herbe Sch├Ânheit der Natur zu bestaunen."
 
Der Truppen├╝bungsplatz M├╝nsingen sei praktisch den Menschen zur├╝ckgegeben worden, sagte Hauk, der sich aber einmal mehr f├╝r einen "gelenkten Tourismus" im Biosph├Ąrengebiet aussprach. Auch der Reutlinger Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhardt Beck (CDU) betonte: "Eine Massengeschichte wird es auf der Alb nicht werden. Es geht darum, ein St├╝ck unber├╝hrte Natur zu erhalten."
 
Der letzte Appell in Schw├Ąbisch Sibirien ist verklungen. Geschichte und Geschichten bleiben. Und statt des Milit├Ąrs werden nun die neuen Akteure die Historie weiter schreiben - ob Natursch├╝tzer, Wanderer oder Radfahrer
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